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TSV-Damen gewinnen Relegationskrimi nach Siebenmeterwerfen – TSV Birkenau – SG Weinstadt 26:22 (9:12, 23:22 n. regulärer Spielzeit)

Die Damen des TSV Birkenau haben sich in einem dramatischen Relegationsrückspiel gegen die SG Weinstadt durchgesetzt und sich nach einem emotionalen Handballkrimi vor rund 800 Zuschauern in der Langenberghalle den Sieg gesichert.

Das Hinspiel hatte alle Karten offengelegt, Stärken und Schwächen des Gegners waren keine Unbekannte mehr. Ein Trumpf hatte der TSV noch im Ärmel, den Willen und die Moral, dieses Spiel und die Relegation zu gewinnen. Genau diesen Trumpf brauchte es.

Zunächst sprach allerdings wenig für die Gastgeberinnen. Weinstadt hatte sich hervorragend auf das Birkenauer Angriffsspiel eingestellt, ließ kaum Lücken in der Defensive zu und profitierte zudem von der Abschlussschwäche des TSV. Bereits in der Anfangsviertelstunde setzten sich die Gäste deutlich ab und führten nach 16 Minuten mit 8:2. Erinnerungen an die Schlussphase des Hinspiels wurden wach, als Birkenau ebenfalls kaum Lösungen im Angriff fand.

Die Stimmung in der sehr gut besuchten Halle wurde zunehmend angespannt. Zehn Minuten lang blieb Birkenau ohne Treffer, ehe Rajic zum 3:8 verkürzte. Erst jetzt fanden die Gastgeberinnen besser in die Partie und verhinderten das sich Weinstadt weiter absetzen konnte. Kurz vor der Pause schöpften die TSV-Damen neue Hoffnung: Harbarth, Gutsche und Leinert verkürzten in den letzten Minuten auf 9:12.

Die zweite Halbzeit begann mit neuem Schwung. Rajic traf doppelt und stellte früh auf 11:12 – spätestens jetzt verwandelte sich die Langenberghalle in einen Hexenkessel. Weinstadt blieb stabil und behauptete zunächst die Führung, doch Birkenau ließ sich nicht abschütteln. Beim 13:14 vergaben die Gastgeberinnen gleich mehrfach die Chance zum Ausgleich, ehe die Gäste sich Mitte der zweiten Hälfte noch einmal auf 18:15 absetzen konnten.

Doch der TSV kämpfte sich zurück. Gutsche und Leinert führten einen 3:0-Lauf an und stellten in der 49. Minute den längst verdienten Ausgleich zum 18:18 her. Die Schlussphase entwickelte sich zu einem offenen Schlagabtausch. Weinstadt legte zweimal vor, Birkenau antwortete jeweils umgehend.

Vier Minuten vor dem Ende war die Halle endgültig elektrisiert: Linn Gutsche erzielte, mit einem ihrer insgesamt sieben Treffer, die erste Führung für den TSV (21:20,56.) Kurz darauf musste Birkenau jedoch eine Zeitstrafe hinnehmen, die Weinstadt zum erneuten Ausgleich nutzte. Auch die Gäste gerieten in den Schlussminuten in Unterzahl. Rajic verwandelte einen Siebenmeter zum 22:21, doch Weinstadt antwortete erneut.

15 Sekunden vor Schluss nahm Katharina Leinert eine Auszeit – der letzte Angriff sollte den Sieg bringen. Fast wäre der Ball verloren gegangen, doch Birkenau behauptete das Spielgerät und Linn Gutsche traf vier Sekunden vor der Sirene zum umjubelten 23:22. Der Jubel kannte zunächst keine Grenzen. Das Hinspielergebnis war damit egalisiert, die Entscheidung musste im Siebenmeterwerfen fallen.

Dort sprach die Statistik bereits leicht für Birkenau. Während der TSV in beiden Spielen acht von zehn Strafwürfen verwandelt hatte, ließ Weinstadt acht von 15 Versuchen ungenutzt.

TSV-Torwarttrainer Peter Günther gab Johanna Meyer vor Beginn noch letzte Hinweise – mit Wirkung. Meyer parierte gleich den ersten Versuch von Nina Wendel, die zuvor acht Treffer erzielt hatte. Josi Leinert verwandelte sicher. Beim zweiten Weinstädter Versuch musste Meyer gar nicht eingreifen, der Ball ging neben das Tor. Anne Havemann traf kompromisslos, ehe Lotta Streim für Weinstadt nur den Pfosten erwischte. Lenya Hanke übernahm schließlich Verantwortung und verwandelte souverän zum entscheidenden Treffer.

Danach brachen alle Dämme. Mannschaft und Fans feierten ausgelassen einen Erfolg, der unabhängig vom noch offenen Ausgang im Aufstiegsrennen bereits jetzt als historisch gelten darf. Sicher ist: Beide Mannschaften und ihre Fanlager werden dieses außergewöhnliche Relegationsduell noch lange in Erinnerung behalten.

„Dieses Spiel war definitiv eins für die Geschichtsbücher des TSV. Wir haben überhaupt nicht gut ins Spiel gefunden, viel zu viel klare Chancen liegen gelassen und sind dadurch in das gute Tempospiel unserer Gäste gelaufen. Wie wir dieses Spiel dann vor allem in der 2. Halbzeit drehen, kämpfen und Moral beweisen, ist der Wahnsinn. Angetrieben von einer überragenden Kulisse haben sich meine Mädels an unser Konzept gehalten und deutlich besser und konsequenter gespielt. Das dieses Spiel noch im 7-Meter werfen endet, hätte ich nicht für möglich gehalten. Uns war aber klar, dass wir sehr sichere 7-Meter Schützinnen haben und Johanna Meyer in den Köpfen der Gegnerinnen steckt. Am Ende ist das 7-Meter Werfen eine Nervensache und die haben wir stark behalten. Nichtsdestotrotz hatten wir über 120 Minuten einen starken und fairen Gegner, der uns alles abverlangt hat. Ich bin heute einfach nur wahnsinnig stolz auf meine Mannschaft, den Zusammenhalt und unsere Fans.“, so das Schlussfazit von Cheftrainerin Leinert zu einer unfassbar starken Saison.

Für den TSV spielten: Meyer, Bussek (beide im Tor), Knogler, Rajic (7), Tines, Pfisterer, Falter, Harbarth (1), Hanke (3), Knapp, Gutsche (7), Havemann (2), J. Leinert (6), Smajlovic